Von Dorthe.

Anteile am Verkaufspreis
Immer wieder bekommen wir gesagt, dass der Preis der Hosentaschengeschichten falsch angesetzt sei. Dabei ist die Fraktion derer, die meinen, eine Hosentaschengeschichte müsste deutlich günstiger zu haben sein, als sie es ist, genau so groß wie diejenige derer, die meinen, es sei genau umgekehrt – viel zu billig.
Warum also nicht mal den Schritt machen, offen zu legen, wie sich der Preis zusammensetzt?
In der Vorbereitungsphase des Hosentaschenverlags waren wir überrascht, zu erfahren, wie schwierig es ist, den Preis für ein völlig neuartiges Produkt festzulegen. Es geht in erster Linie um die Frage, wie viel der Kunde bereit ist, für etwas auszugeben. Setzt man den Preis deutlich über dieser magischen gefühlten Grenze an, kauft der Kunde nicht. Wenn man jedoch den Preis deutlich niedriger ausfallen lässt, wird der Kunde skeptisch und schreckt ebenso vor dem Kauf zurück – was nichts kostet kann auch nichts Wert sein.
Gefühlter Wert
Zum Glück hatten wir damals bereits etwa 200 Newsletter-Abonnenten, die die alten, handgemachten Hosentaschengeschichten kannten. Eine Befragung unter ihnen ergab eine Spanne zwischen 0,99 und 9,90 Euro. Die weitaus meisten gaben jedoch an, zwischen 2,50 und 3,50 Euro bezahlen zu wollen. Da viele der Befragten Freunde, Bekannte und langjährige ‚Fans’ der Hosentaschengeschichten waren, zogen wir einen Freundschaftsbonus ab und landeten bei 2,00 Euro. Das war unser angestrebter Verkaufspreis.
Die Sache mit den Margen
Wir gingen also los und fragten einige Händler, was sie von unserem Produkt hielten. War unsere Idee bisher überall auf rege Begeisterung gestoßen – vor allem bei sämtlichen Gründerworkshops und –seminaren, fiel das Feedback der Händler deutlich kritischer aus. Die meisten winkten kommentarlos ab, meinten, das lohne sich nicht, ließen sich aber kaum Verbesserungsvorschläge aus der Nase ziehen.
Ein sehr reger Buchhändler aus der Nähe war es, der uns endlich erklärte, welche Margen er so gewohnt sei und was er mindestens an einem Artikel verdienen müsse, damit sich die Lagerhaltung überhaupt auszahle. Wir hoben also in letzter Minute den Preis auf 2,50 Euro an. Jeder Cent mehr wäre uns zu viel erschienen, jeder Cent weniger wäre mit den vom Handel verlangten Margen nicht machbar gewesen.
Nun sind Buchhändler aber noch recht genügsame Händler – in anderen Bereichen sind wesentlich höhere Margen üblich, weshalb es auch so schwer ist, Händler für die Hosentaschengeschichten zu gewinnen.
Und wie setzt sich der Preis genau zusammen?
Die Grafik am Anfang dieses Artikels zeigt, woraus sich der Preis für eine Hosentaschengeschichte zusammensetzt. Das kleine Feld oben links stellt den Anteil vom Verkaufspreis dar, der beim Verlag bleibt. Davon müssen nun aber noch die Herstellungskosten abgezogen werden – Papier und Druck, Satzhonorar, Autorenhonorar, Siegel und Anbringung der Siegel. Die Verkaufsdisplays bieten wir unseren Händlern umsonst an – weil es so Usus ist. Wenn dann noch etwas übrig bleibt, dann fängt der Verlag an, Geld zu verdienen. Bei steigenden Auflagen sinken die Druckkosten – die einzige Stellschraube, die auf Herstellungsseite bleibt. Und da wir bisher nicht vorhaben, die Herstellung nach Tschechien oder Polen zu verlegen, kosten Hosentaschengeschichten im Moment genau das, was sie kosten.